Krise im Weinbau: Gemeinsam die Zukunft der Branche sichern

Das Weinjahr 2025 gleicht dem Weinjahr 2024 wie ein Ei dem anderen. Mit anderen Worten: miese Erträge, ein weiter rückläufiger Absatz heimischer Weine und ein signifikanter Einbruch der Traubenpreise. Um diese Herausforderung zu bewältigen, haben zahlreiche Akteur:innen der Branche ihren Businessplan überarbeitet. Jeder trachtet danach – und das ist völlig nachvollziehbar –, seine überlebensnotwendigen Margen zu bewahren, und kehrt häufig zu Produkten zurück, die noch Mehrwert generieren. Wäre diese Strategie der Neuausrichtung nicht derart radikal, könnte sie der Branche zum Vorteil gereichen. Doch seine Methoden zur Weinerzeugung kann man nicht einfach so wechseln wie ein Hemd. Viele Bewirtschafter:innen sind schlichtweg nicht in der Lage, ihre Produktionsmittel einfach so abzuschütteln – trotz der wertvollen Hilfen durch das Projekt «Rebberg des 21. Jahrhunderts». Die Folgen dieser Krise für Wirtschaft, Mensch und Landschaft lassen sich aktuell nur schwer einschätzen, doch sie könnten erheblich sein.

Folglich ist ein Ausweg aus dieser Lage unabdingbar. Ihr Vorstand widmet sich aktuell noch intensiver den aktuellen politischen und wirtschaftlichen Dossiers. Zu den Arbeitsschwerpunkten des BWW zählen die Änderung der Einfuhrregelung, die Anpassung der kantonalen Gesetzgebung zu kontrollierten Ursprungsbezeichnungen (AOC), die Stärkung der Absatzförderung, die Öffnung des Marktes für den Export sowie viele weitere Aktionen. Mit diesem Tätigkeitsbericht wollen wir Sie über die Entwicklung dieser verschiedenen «Baustellen» informieren. Folglich geht es mir nicht um die Einzelheiten unserer Tätigkeiten im Jahr 2025, sondern eher um die in Krisenzeiten anzuwendende Strategie. Wer sich in einer schwierigen Lage befindet, neigt in der Regel dazu, «sich aus eigener Kraft daraus zu befreien». Doch in unserer Branche hat sich Eigenbrötlerei noch nie ausgezahlt. Mit eigenen Weinen erfolgreich zu sein, ist sehr schwierig, wenn das Image der Produktionsregion mittelmässig ist. Die Geschichte hat uns gezeigt, dass ein Alleingang im Weinbau nicht sehr weit führt – eine schmerzliche Erfahrung, die viele Produzent:innen mehr oder weniger überall auf der Welt machen mussten.

Folglich lautet unser Credo: Einigkeit macht stark! Gegenüber der breiten Öffentlichkeit ist das offensichtlich, aber wichtiger ist vielleicht noch, gegenüber unseren Partnern in Politik und Wirtschaft Geschlossenheit zu zeigen. Wer alleine ist, hat keine Mehrheit, und ohne Mehrheit können wir unsere Forderungen nicht durchbringen. Gehör werden wir nur finden, wenn wir alle mit einer Stimme sprechen. Eine Spaltung könnte zur Folge haben, dass unsere jahrzehntelangen Bemühungen, unsere Weine bekannt und beliebt zu machen, nutzlos verpuffen.

Und da ich gerade von Krise und unseren Weinen spreche, so muss ich doch daran erinnern, dass es unsere Weine, die heute unser grösstes Kapital sind, ohne die ausgeprägte Krise Mitte der 1980er-Jahre schlicht und einfach nicht gäbe. So wie vor 40 Jahren zeichnen sich auch in der aktuellen Krise mehrere Möglichkeiten ab, unseren Weinbau wieder zu neuen Höhen zu führen. Wir könnten beispielsweise:

  • unsere Weinberge neu strukturieren, von denen ein Grossteil in den Jahren der Spekulationsblase im Weinsektor völlig ungeplant angelegt wurde.
    • unser Angebot auf das Potenzial der Märkte ausrichten, indem wir unsere besten Produkte, die unsere Einzigartigkeit ausmachen, stärken.
    • den Export ausbauen, auch wenn in der Schweiz noch mehr als 60% an Marktanteilen zu gewinnen sind.
    • unsere Gesetzgebung überarbeiten und endlich ein altbekanntes Ziel erreichen – d. h., unsere Qualitätspyramide deutlich zu machen und damit unsere besten Crus besser hervorzuheben.

Folglich gibt es genug gute Gründe, der Versuchung zu widerstehen, einfach «alles hinzuschmeissen». Ich fordere Sie auf, zusammenzustehen und Zusammenarbeit über Eigenbrötlerei, Gemeinwohl über Eigennutz und Stabilität der Institutionen über Chaos zu stellen.

Yvan Aymon

Präsident

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